Das Dionysos Mosaik besteht aus fast anderthalb Million
kleiner Steine. Die Steine bestehen zum größten Teil aus Kalkstein, Schiefer, Terra -
Sigillata - Bruchstücken und Glaspaste. Das Dionysos Mosaik hat wahrscheinlich den
Speisesaal (oecus) eines großen Hauses von einem reichen Mann geschmückt. Das Haus, in
welchem sich das Mosaik befand, lag in einem Wohnblock (insula). Die Räume des Hauses
waren zur Mitte gruppiert. Der Baustiel des Hauses ist vor allem aus Pompeji bekannt. Das
Haus, 60 n. Chr. gebaut, im 2. Jahrhundert durch einen Neubau gleicher Größe und fast
gleichem Grundriß ersetzt, erhielt während der Jahre 260 bis 280 eine neue prunkvolle
Innenausstattung, Es worden nur erstklassige Handwerker und Künstler beim Bau des Mosaiks
beschäftigt. Die Zeit der Renovierung des Hauses setzt Erstaunen, denn diese Zeit war
sowohl durch innenpolitische Unsicherheit gekennzeichnet, als auch die Wirtschaftliche
Notlage und den verheerenden Einfallen der Germanen. Man schätzt, daß
der damalige Hausbesitzer zu denen Gehörte, die es verstanden, sich den wechselnden
politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen profitierend anzupassen. Obwohl der
Hausbesitzer noch dazu großes Glück hatte, denn als 274 infolge einer argen Verwüstung
der Stadt von den Germanen viele um den Wiederaufbau ihrer Häuser und Wohnungen besorgt
waren, wurden in seinem verschont gebliebenen Haus die letzten Fußböden von den
Mosaikzisten verlegt. Eine Brandschicht, die das Mosaik bei seiner Auffindung bedeckte,
läßt vermuten, daß das Haus bei einem der Germaneneinfälle um 355 oder 388 zerstört
wurde. Das Mosaik verschwand kurz nach seiner Entdeckung im Jahre 1941 unter dem Fußboden
eines Luftschutzbunkers und wurde erst 1946 der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Mehre
Jahre später wurde es erneut den Augen der Öffentlichkeit entzogen. Denn es wurde
beobachtet, daß die Farben des Mosaiks, die bei der Entdeckung noch so frisch waren wie
in römischer Zeit, allmählich verblaßten.
Der Grund hierfür lag, wie es sich
schließlich herausstellte, in der Kombination von Bodenfeuchtigkeit und
Luftverschmutzung. Das Mosaik war nur noch durch eine Radikalkur zu retten. Heute sorgt
eine Klimaanlage und Unterbelüftung für den Erhalt des Mosaiks, welches im Römer und
Germanen Museum in einer Halle in Köln steht, Hauptthema des Mosaiks ist Dionysos der
Gott des Weines, und sein Gefolge von Satyrn und Mänaden. Das Bild in der Mitte zeigt den
trunkenen Gott, von einem jugendlichen Satyr gestützt, zu seinen Füßen ein
umgestürzter, zweihenkeliger Kantharos. Auf den das Mittelbild umgebenen Achteckfeldern
sieht man Mänaden und Satyrn in bacchanlischem Tanz, begleitet von Flöten, Kastagnetten,
Tympanon und Panflöte; eine Satyrfamilie - der Vater lockt seinen Sprößling mit einer
Weintraube -; Gott Amor, der in nachlässiger Haltung auf einem gefügig dreinschauenden
Löwen vorbei reitet. Auf kleineren quadratischen Feldern sind dargestellt: ein weiblicher
Panther, das heilige Tier des Weingottes; der bockfüßige Pan, der an einem Strick einen
Ziegenbock nach sich zieht; ein jugendlicher Silen auf einem Korb sitzend und die
Hirtenflöte blasend; und ein alter Silen auf einem Esel reitend.
Garten- und Erntearbeit symbolisieren ein
Wagen mit Gartenwerkzeugen, der von zwei Papageien gezogen wird und ein mit Trauben,
Sinnbild des Herbstes, gefüllter Wagen. an dem zwei Purpurhühner angebunden sind. Ein
Haushund und eine Schildkröte warten im Hintergrund auf die Speisereste von der Tafel.
Insgesamt stellt das Mosaik ein Bild des guten Lebens dar, wie es der südländische
Hauseigentümer von seiner Heimat her gewohnt war und das er sich auch an der fernen
Nordgrenze des Reiches leisten konnte.
Björn Meyer |